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Braucht Hund Das oder kann das Weg?
Wenn der Winter Gedanken macht
Es war kalt. Also zumindest draußen. Und wie jedes Jahr kam mit dem Winter nicht nur Schnee, Matsch und klamme Finger – sondern auch die große Frage:
Braucht mein Hund jetzt einen Mantel?
Dieses Wintermärchen beginnt nicht mit Zauberstaub und Glöckchen, sondern mit gesundem Menschenverstand, ein bisschen Bauchgefühl und der Erkenntnis, dass Hunde weder kleine Menschen, noch wandelnde Frostbeulen sind.
Mittlerweile stellt sich kaum einer mehr die Frage. Sondern kauft viel Stoff um den Hund rum. Weil es jeder tut. Weil man ganz, ganz böse angesehen wird, wenn man seinen Hund OHNE laufen lässt.
Ein Hund ist – man glaubt es kaum – kein Mensch. Er denkt anders, lernt anders und friert anders. Oder auch nicht. Trotzdem messen wir ihn gern an uns selbst. Friere ich, friert mein Hund auch. Logisch. Oder eben nicht.
Der Mantel, den der Hund schon trägt
Denn nur, weil etwas oft erzählt wird, wird es nicht automatisch wahr. „Alle machen das so“ ist kein Naturgesetz, sondern eher ein Gruppenkuscheln mit schlechtem Gewissen und viel Unwissenheit.
Bin ich jetzt herzlos, wenn mein Hund keinen Mantel trägt? Das Tuscheln der anderen, wenn sie auf meinen nackten Hund gucken. Kein Mantel heißt, keine Tierliebe.
Keine Ahnung habe ich. Dann kaufe ich sowas und alle sind zufrieden.
Außer der Hund. Der mit der Unterwolle.
Was unterscheidet Mensch und Hund im Winter ganz grundsätzlich?
Ganz einfach: Der Mensch ist nackt. Der Hund nicht. Fell ist kein Dekoartikel. Fell ist ein hochfunktionales Kleidungsstück – und Unterwolle ist dabei die Winterjacke deluxe.

Wenn Zittern nicht Kälte meint
Zittern macht Eindruck. Und sofort denken wir: Oh Gott, der Hund friert.
Dabei kann Zittern so vieles bedeuten: Vorfreude, Erwartung, Stress, Arbeitsbereitschaft, Unsicherheit, pure Aufregung. Auch Schmerzen, Unwohlsein, Fieber oder die Zeit nach einer Narkose können Zittern auslösen.
Wird ein Hund nach kurzer Bewegung warm und entspannt sich, ist das kein Drama und schon gar kein Mantel-Notfall.
Ein Klassiker aus dem Alltag: Einer meiner Kleinhunde zittert im Auto, sobald klar ist, dass wir gleich aussteigen. Sommer wie Winter. Kein Frieren – sondern Spannung ohne Ventil. Es ist sofort weg, wenn es losgeht.
Und dann kommt noch das Ding mit dem Felltyp, der Rasse, der jeweiligen Situation und so noch hinzu. Und die Hunde, die tatsächlich frieren.
Fell oder Mantel – wem traut der Winter mehr?
Jetzt wirds spannend. Feuchte Kälte ist deutlich unangenehmer als trockene. +5 Grad mit Regen fühlen sich für viele Hunde schlimmer an, als -5 Grad mit Schnee. Hunde ohne Unterwolle brauchen Schutz – Punkt. Sehr kurzhaarige Hunde freuen sich zumindest über einen leichten Nässeschutz.
Der Rhodesian Ridgeback ist ein gutes Beispiel: Ursprünglich in Afrika für die Löwenjagd in Wärme und Trockenheit gezüchtet, ist er nicht für nasskaltes Rumstehen geboren. Das ist keine Verweichlichung, das ist Biologie. Ohne Unterwolle. Er würde also ohne Mantel in nasser - und auch kalter Kälte - die Schlotteritis kriegen.
Der Winter hinterlässt keine Spuren
Auch für Hunde mit Unterwolle kann - unter bestimmten Bedingungen - ein Mantel sinnvoll sein. Dazu zählen sehr alte Hunde, sehr junge Welpen, kranke oder geschwächte Hunde, Hunde mit wenig Muskulatur, langes Stehen.
Und wenn ein Hund im Winter im Auto warten muss, gehören Decken oder ein Mantel einfach dazu. Da diskutiert bestimmt keiner.

Jetzt zum Inneren dieses Wintermärchens. Unterwolle ist ein kleines Wunder: sie speichert Luft wie eine Daunenjacke, sie isoliert hervorragend, sie schützt vor Wind und Nässe, sie passt sich der Jahreszeit an. Ein gesunder Hund mit Unterwolle bringt seinen Wintermantel also schon mit.
Auch Wohnungshunde können ihre Temperatur wunderbar regulieren – wenn sie regelmäßig draußen sind. Dann bleibt das Fell flexibel. Für drinnen. Für draußen. Für echtes Wetter.
Ja, ein gesunder Hund kann auch im Winter schwimmen gehen. Die einzige Bedingung: Danach bitte in Bewegung bleiben. Unsere Hovawarthündin war früher regelmäßig im Winter im Wasser.

Meine heutigen Hunde sind da anders. Vielleicht auch einfach anders klüger. Oder so.
Wichtig ist, einer unkastrierten Hündin gleich im Auto oder, wenn man zu Fuß los ist, zuhause den Bauch trockenzurubbeln.
Was der Winter bei alter und junger Wolle lehrt
Meine Elos haben gut Unterwolle. Erst im hohen Alter bekommen sie bei nasskaltem Wetter einen Mantel. Wenn die Wehwechen kommen und sie langsamer werden. Ein warmer Rücken wirkt Wunder auf den ganzen Körper.
Und da gibt es ja noch die 3 Kilo-Hündchen. Der Chibietzu zum Beispiel, besteht aus drei Rassen: Der Chihuahua hat wenig, der Biewer keine und der Shihtzu etwas mehr Unterwolle. Die Welpen haben alle wenig Unterwolle bekommen. Sie hatten ganz jung jeweils ne Wollsocke an. Ferse ab, Löcher für die Beine rein - fertig. Da sie draußen sehr aktiv sind, brauchen sie in ihrem jetzigen Alter keinerlei Schutz.
Bei einem Rassehund aus seriöser Zucht ist die Fellerkennung relativ einfach. Das weiß der Züchter, meist auch Hundetrainer oder auch der Tierarzt.
Gerade bei Mischlingen lohnt sich ein genauer Blick auf die Fell Struktur.
Was ich regelmäßig sehe: Hunde, die nur noch ganz staksig in Mini-Schritten unterwegs sind, weil der Mantel unter den Achseln zwickt oder die Schulter nicht mehr tun darf, was sie eigentlich kann.

Was dieses Wintermärchen noch erzählt
Nicht jeder Hund braucht einen Mantel.
Aber jeder Hund braucht Menschen, die hinschauen, statt hinterherlaufen. Schaut euch das Fell eures Hundes an. Fühlt es. Die Unterwolle sitzt unter dem Deckhaar. Man kann nicht direkt bis zur Haut gucken.
Beobachtet euren Hund. Wirkt er entspannt, ist er gestresst, hechelt er mit Mantel sehr oder ist gerade alles doof.
Da gibt es ja so einige vermischte Felle. Aus dem Tierheim, aus dem Tierschutz, oder auch Hybriden, Designerhunde und wie sie alle heißen.
Bewegung macht warm. Ganz ohne Schnickschnack. Laufen, schnüffeln, stehen bleiben, weitergehen – das hält Muskeln warm und den Körper im Gleichgewicht. Ein Mantel kann dabei sogar stören, denn er lässt keine natürliche Luftzirkulation im Fell zu, es kann sogar zu einer Überhitzung kommen, auch ist seine Körpersprache eingeschränkt.

Wir waren mit Freunden im Skiurlaub. Gut, eher Apres-Ski-Urlaub - aber egal. Sie hatten ihren mallorquinischen Podenco-Mix dabei. Der Hund lebte auf der Insel. Null Unterwolle. Wir hatten trockene Kälte, mit viel Schnee. Der Hund hatte - genau wie unser Unterwollenhund - sehr viel Spaß, war sehr aktiv und brauchte nix weiter in der weißen Pracht. Der Hund ist uralt geworden.
Beim Maltipoo haben beide Rassen keine Unterwolle. Wer nicht weiß, was in seinem Hund so drinsteckt, kann beim Hundefrisör nachfragen.
Recherchiert also selbst bei Fragen, die man nicht weiß. Nicht jedem alles glauben, weil man selbst unsicher ist. Bringt sachliche Argumente, warum gerade euer Hund keinen Mantel braucht. Wenn doch, dann achtet darauf, dass der Überzieher gut sitzt und der Hund sich gut bewegen kann.
So können alle zusammen wohlgemut durch den Winter gehen.
Alle nächsten Winter wieder
Der Schnee knirscht noch, doch irgendwo tropfte es schon von den Bäumen. Niemand wusste, ob die Kälte wirklich vorbei war. Aber für einen Moment bleibt man stehen, atmet tief durch und geht weiter - und zwar aufrechter, als zuvor.
Noch Fragen dazu? Per Mail immer wieder gerne.
Alle Bilder der Seite sind KI-generiert nach einer Idee von Simone Werth-Wagner
Da fällt mir gerade ein gutes Buch ein... da kann fehlendes Grundwissen ganz einfach nachgelesen werden:










